Endo­me­trio­se – Wenn Schmer­zen zur Regel werden

Ein aus­führ­li­cher Bericht über den Behand­lungs­plan an der Cha­ri­té Frauenklinik.

Endo­me­trio­se ist eine der häu­figs­ten Unter­leibs-Erkran­kun­gen bei Frau­en. Unge­fähr jede 10. Frau lei­det an den Beschwer­den, und oft dau­ert es Jah­re. Bis dahin ver­su­chen vie­le Frau­en, irgend­wie mit ihren Schmer­zen zurecht­zu­kom­men. Sie glau­ben, selbst stärks­te Schmer­zen sei­en nor­mal und gehör­ten zur Regel­blu­tung
dazu. Um Wege zu fin­den, mit den Beschwer­den umzu­ge­hen bzw. eine The­ra­pie anzu­ge­hen, ist es wich­tig, den eige­nen Kör­per und sei­ne Reak­tio­nen ken­nen­zu­ler­nen. Gute Infor­ma­tio­nen und die Zusam­men­ar­beit mit erfah­re­nen, unter­stüt­zen­den Ärzt:innen. Um Ihnen einen bes­se­ren Ein­blick in die The­ra­pie zu ermög­li­chen, haben wir für Sie die­sen Bei­trag zusammengestellt.

An unse­rem Endo­me­trio­se-Zen­trum arbei­ten spe­zi­ell aus­ge­bil­de­te gynä­ko­lo­gi­sche Expert:innen. Hier wer­den Wis­sen und Kom­pe­tenz zu die­ser kom­ple­xen Erkran­kung gebün­delt. Die Zusam­men­ar­beit zwi­schen ver­schie­de­nen ärzt­li­chen Dis­zi­pli­nen ist eng.

Im Durch­schnitt ver­ge­hen in Deutsch­land sechs Jah­re vom Auf­tre­ten der ers­ten Sym­pto­me bis zur Dia­gno­se von Endo­me­trio­se. Die Grün­de für die­sen unnö­tig lan­gen Lei­dens­weg sind meist man­geln­des Wis­sen und feh­len­de Erfah­rung mit die­ser Erkran­kung. Genau hier setzt die Idee eines zer­ti­fi­zier­ten Endo­me­trio­se­zen­trums an: Hier wer­den Pati­en­tin­nen von spe­zi­ell aus­ge­bil­de­ten Expert:innen betreut und behan­delt. So wer­den Wis­sen und Kom­pe­tenz gebün­delt und zum Nut­zen der Pati­en­tin­nen ein­ge­setzt. Die Zusam­men­ar­beit zwi­schen den
ärzt­li­chen Dis­zi­pli­nen wird täg­lich praktiziert.

Endo­me­trio­se ist eine der häu­figs­ten Unter­leibs-Erkran­kun­gen bei Frau­en. Die Ursa­che sind Ansied­lun­gen von Gebär­mut­ter­schleim­haut außer­halb der Gebär­mut­ter. Fach­leu­te bezeich­nen sol­che Gewe­be­in­seln auch als „Endo­me­trio­se-Her­de“. Sie kön­nen vor­kom­men, ohne dass eine Frau davon etwas spürt. Bei ande­ren ist Endo­me­trio­se aber eine chro­ni­sche Erkran­kung, die star­ke Schmer­zen ver­ur­sacht und die Frucht­bar­keit min­dert. Oft dau­ert es Jah­re, bis eine Endo­me­trio­se als Ursa­che der Beschwer­den fest­ge­stellt wird. Bis zur Dia­gno­se ver­su­chen vie­le Frau­en, irgend­wie mit ihren Schmer­zen zurecht­zu­kom­men. Sie glau­ben, selbst stärks­te Schmer­zen sei­en nor­mal und gehör­ten zur Regel­blu­tung dazu.

Bis­lang lässt sich Endo­me­trio­se nicht voll­stän­dig hei­len – aber es gibt ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten, die Beschwer­den zu behan­deln. Wenn die The­ra­pie auf die per­sön­li­chen Lebens­um­stän­de und die Aus­prä­gung der Erkran­kung abge­stimmt ist, kön­nen vie­le Frau­en recht gut mit Endo­me­trio­se leben.

Wie bei ande­ren chro­ni­schen Krank­hei­ten ist es wich­tig, den eige­nen Kör­per und sei­ne Reak­tio­nen ken­nen­zu­ler­nen, um Wege zu fin­den, mit den Beschwer­den umzu­ge­hen. Gute Infor­ma­tio­nen und die Zusam­men­ar­beit mit erfah­re­nen, unter­stüt­zen­den Ärzt:innen kön­nen dabei helfen.

Sym­pto­me

Das Haupt­sym­ptom einer Endo­me­trio­se sind Unter­leibs­schmer­zen. Sie tre­ten oft zusam­men mit der Regel­blu­tung, wäh­rend oder nach dem Geschlechts­ver­kehr auf. Die Schmer­zen kön­nen mal stär­ker, mal schwä­cher sein und in den Unter­bauch, den Rücken und die Bei­ne aus­strah­len. Sie wer­den oft als krampf­ar­tig erlebt und kön­nen von Übel­keit, Erbre­chen und Durch­fall beglei­tet sein.

Wie sich die Schmer­zen äußern, hängt auch davon ab, wo sich Gebär­mut­ter­schleim­haut in der Bauch­höh­le fest­ge­setzt hat. Endo­me­trio­se-Her­de kön­nen zum Bei­spiel außen auf der Gebär­mut­ter oder in der Wand eines Eilei­ters wach­sen. Häu­fig sind zudem die Eier­stö­cke, der „Douglas’sche Raum“ zwi­schen Gebär­mut­ter und End­darm sowie das dazu­ge­hö­ri­ge Bin­de­ge­we­be betrof­fen. Wenn die Eier­stö­cke oder Eilei­ter befal­len sind, ist oft die Frucht­bar­keit beeinträchtigt.

Manch­mal bil­den sich Endo­me­trio­se-Her­de auch in Orga­nen wie der Bla­se oder dem Darm, was zu Pro­ble­men beim Was­ser­las­sen und beim Stuhl­gang füh­ren kann. Eine schwe­re Endo­me­trio­se kann die Lebens­qua­li­tät und Leis­tungs­fä­hig­keit stark einschränken.

Damit Sie einen bes­se­ren Ein­druck über die Behand­lungs­mög­lich­kei­ten erhal­ten, haben wir für Sie im fol­gen­den Abschnitt eine chro­no­lo­gi­sche Über­sicht eines mög­li­chen Behand­lungs­plans erstellt. Eine typi­sche Endo­me­trio­se-The­ra­pie sieht in unse­rem Endo­me­trio­se­zen­trum (Level III) fol­gen­der­ma­ßen aus:

1. Erst­vor­stel­lung

Nun steht er an, Ihr ers­ter Ter­min in unse­rem Endo­me­trio­se­zen­trum. Viel­leicht hat­ten Sie Glück und Ihre Ärz­tin oder Ihr Arzt hat Sie bereits früh dar­auf hin­ge­wie­sen, dass Ihre Beschwer­den in Zusam­men­hang mit Endo­me­trio­se ste­hen könn­ten. Viel­leicht erging es Ihnen aber auch wie vie­len ande­ren Lei­dens­ge­nos­sin­nen und es kos­te­te Sie Jah­re und vie­le Arzt­be­su­che bis das Wort Endo­me­trio­se das ers­te Mal fiel.

Ziel des ers­ten Ter­mins, der soge­nann­ten Erst­vor­stel­lung, ist zu Aller­erst eine aus­führ­li­che Erhe­bung Ihrer Krank­heits­ge­schich­te (Ana­mne­se). Um sich opti­mal auf den Besuch vor­zu­be­rei­ten, bit­ten wir Sie vor­ab unse­ren Ana­mne­se­bo­gen aus­zu­fül­len. Dies unter­stützt Sie dabei ent­schei­den­de Tat­sa­chen in der Auf­re­gung des Arzt­ge­sprä­ches nicht zu ver­ges­sen. Ihrer Ärz­tin oder Ihr Arzt hilft es, Ihre Beschwer­den (Sym­pto­me) voll­stän­dig zu ver­ste­hen und zu dokumentieren.

Im per­sön­li­chen Gespräch wer­den die Ergeb­nis­se des Ana­mne­se­bo­gens mit Ihnen zusam­men­ge­fasst und her­aus­ge­ar­bei­tet, wel­che Beschwer­den bei Ihnen im Vor­der­grund ste­hen. Hier­bei spie­len nicht nur Ihre Schmer­zen und Blu­tungs­be­schwer­den eine Rol­le, son­dern z.B. auch Ver­dau­ungs­be­schwer­den, ob Sie in naher Zukunft eine Fami­lie grün­den wol­len und wie sehr Sie selbst oder viel­leicht auch Ihre Part­ner­schaft durch Ihre Beschwer­den belas­tet sind.

Mit Ihrem Ein­ver­ständ­nis wird Ihre Ärz­tin oder Ihr Arzt eine aus­führ­li­che kör­per­li­che Unter­su­chung anschlie­ßen. Vie­les ken­nen Sie sicher schon von Ihren regel­mä­ßi­gen Unter­su­chun­gen beim Frau­en­arzt. Nichts­des­to­trotz ist eine Unter­su­chung bei Ver­dacht auf Endo­me­trio­se noch ein wenig ausführlicher:

Zu Beginn wird eine soge­nann­te Spie­gel­ein­stel­lung (Spe­ku­lu­m­un­ter­su­chung) durch­ge­führt. Hier­bei ist es mög­lich das gesam­te äuße­re Geni­ta­le (Vul­va) und die Schei­de (Vagi­na) zu inspi­zie­ren. Beson­ders der Mut­ter­mund (Por­tio) und das hin­te­re Schei­den­ge­wöl­be müs­sen gründ­lich ange­se­hen wer­den, da hier­bei mög­li­cher­wei­se bereits Endo­me­trio­se­her­de erkannt wer­den können.

Als nächs­tes wird eine Tast­un­ter­su­chung durch­ge­führt. Hier­bei führt die Ärz­tin oder der Arzt ein oder nach­ein­an­der zwei Fin­ger in die Schei­de ein. Endo­me­trio­se­her­de am Mut­ter­mund oder zwi­schen Schei­de und End­darm, die als schmerz­haf­te Ver­här­tun­gen oder Knöt­chen getas­tet wer­den kön­nen, fal­len oft schon hier­bei auf. Man kann außer­dem über das zusätz­li­che Tas­ten mit der ande­ren Hand über die Bauch­de­cke (bima­nu­el­le Tast­un­ter­su­chung) Lage und Beweg­lich­keit der Gebär­mut­ter und mög­li­cher­wei­se Zys­ten am Eier­stock ertas­ten. Ob Ihre Becken­bo­den­mus­ku­la­tur auf­grund Ihrer Beschwer­den bereits stark ange­spannt ist, kann man eben­falls beur­tei­len. Zum Abschluss der Tast­un­ter­su­chung wird außer­dem ein Fin­ger in den End­darm ein­ge­führt (rek­ta­le Unter­su­chung), wäh­rend ein wei­te­rer Fin­ger in der Schei­de bleibt. Dies ist beson­ders wich­tig, um mög­li­che Endo­me­trio­se­her­de mit Darm­be­tei­li­gung zu ertas­ten. Die­se blei­ben lei­der immer noch häu­fig uner­kannt, wes­we­gen wir gro­ßen Wert auf die­sen Teil der Unter­su­chung legen. Auch wenn sich eine rek­ta­le Unter­su­chung erst ein­mal pein­lich oder unan­ge­nehm anhört – Ihre Ärz­tin oder Ihr Arzt wird Ihnen dabei hel­fen sich zu ent­span­nen und Sie wer­den sehen, dass die­ser Teil der Unter­su­chung längst nicht so unan­ge­nehm ist, wie gedacht.

Der Tast­un­ter­su­chung schließt sich eine Ultra­schall­un­ter­su­chung an. Auf­grund der deut­lich bes­se­ren Beur­teil­bar­keit soll­te der Ultra­schall­kopf über die Schei­de ein­ge­führt wer­den (trans­va­gi­nal). Jeder Unter­su­chen­de hat hier­bei ein eige­nes Sche­ma, wel­ches dabei hilft alle Orga­ne der Rei­he nach zu beur­tei­len und kei­nes zu ver­ges­sen. Ein Blick auf die Harn­bla­se lässt bereits einen Schluss zu, ob die­se von Endo­me­trio­se befal­len ist. Es soll­te außer­dem in jedem Fal­le beur­teilt wer­den, ob zwi­schen Schei­de und End­darm Endo­me­trio­se­her­de zu sehen sind oder ob ansons­ten Hin­wei­se für eine Darm­be­tei­li­gung vor­lie­gen. Es soll­te beur­teilt wer­den, ob die Gebär­mut­ter zu Bla­se und Darm ver­schieb­lich ist oder ob es bereits Hin­wei­se auf Ver­wach­sun­gen gibt. Der oder die Unter­su­chen­de wird sich außer­dem die Gebär­mut­ter selbst gründ­lich anse­hen – oft kann man durch den Ultra­schall eine Endo­me­trio­se der Gebär­mut­ter (Ade­no­myo­se oder Ade­no­myo­sis ute­ri) fest­stel­len. Auch die Eier­stö­cke wer­den gründ­lich inspi­ziert. Soll­ten sich in die­sem Bereich soge­nann­te Endo­me­trio­me (Endo­me­trio­se-Zys­ten am Eier­stock) befin­den, kann man das mit dem Ultra­schall gut erken­nen. Wenn Sie sich schon ein biss­chen mit Endo­me­trio­se aus­ein­an­der­ge­setzt haben, wis­sen Sie viel­leicht bereits, dass sich Endo­me­trio­se­her­de häu­fig auf dem Bauch­fell (Peri­to­ne­um) befin­den. Die­se Her­de kann man im Ultra­schall in der Regel nicht erken­nen. Alle wei­te­ren typi­schen Loka­li­sa­tio­nen las­sen sich dage­gen mit dem Ultra­schall beur­tei­len. Immer häu­fi­ger fin­den vor allem auch sehr jun­ge Frau­en den Weg zu uns in die Sprech­stun­de. Wenn Sie noch kei­nen Geschlechts­ver­kehr hat­ten, ist ein trans­va­gi­na­ler Ultra­schall oft nicht möglich.

Vie­le Ärz­te machen dann einen soge­nann­ten Bau­chul­tra­schall. Mit die­ser Metho­de ist aber eine Beur­tei­lung der Orga­ne wie oben beschrie­ben nur schwer mög­lich. Daher emp­feh­len wir in die­sem Fall einen Ultra­schall vom Darm aus an. Das hört sich zunächst ein­mal unan­ge­nehm an (das ist der Ärz­tin oder dem Arzt natür­lich bewusst), aber man kann hier­mit die Orga­ne ähn­lich gut beur­tei­len, wie bei einem Ultra­schall von der Schei­de aus.

Even­tu­ell wird im Anschluss an die trans­va­gi­na­le Unter­su­chung noch ein Schall der Nie­ren durch­ge­führt. Soll­ten sich bei der vor­an­ge­gan­ge­nen Unter­su­chung Hin­wei­se auf tief infil­trie­ren­de Endo­me­trio­se mit Betei­li­gung der Harn­lei­ter erge­ben haben, muss ihre Ärz­tin oder Ihr Arzt aus­schlie­ßen, dass bereits ein Harn­stau vor­liegt. Ein Harn­stau macht zu Beginn kei­ne Beschwer­den und so kann er unbe­merkt vor­an­schrei­ten bis die Nie­re womög­lich nicht mehr rich­tig funk­tio­niert. Zum Glück ist das bei Endo­me­trio­se sel­ten der Fall.

Nach erfolg­tem Ana­mne­se­ge­spräch und der Unter­su­chung wer­den die erho­be­nen Befun­de zusam­men­ge­fasst und erör­tert, wie wahr­schein­lich die Dia­gno­se Endo­me­trio­se ist. Um die Dia­gno­se Endo­me­trio­se zu stel­len, ist aus unse­rer Sicht kei­ne bewei­sen­de Ope­ra­ti­on mit fein­ge­web­li­cher Unter­su­chung nötig. Eine geüb­te Ärz­tin oder ein geüb­ter Arzt kön­nen die Dia­gno­se auch auf­grund der Ana­mne­se und Unter­su­chungs­be­fun­de mit hoher Sicher­heit stellen.

Spä­tes­tens nach erfolg­ter Dia­gno­se ist dann die Zeit gekom­men zu erklä­ren was Endo­me­trio­se über­haupt ist, wie sie ent­steht, wel­che The­ra­pie­op­tio­nen bestehen und wel­che Schrit­te zum aktu­el­len Zeit­punkt für Sie sinn­voll sind. Dies hängt näm­lich maß­geb­lich von Ihren Beschwer­den, Ihrem Unter­su­chungs­be­fund und Ihrer aktu­el­len Lebens­si­tua­ti­on ab. Gemein­sam mit Ihrer Ärz­tin oder Ihrem Arzt wer­den Sie dann am Ende Ihres Erst­vor­stel­lungs-Ter­mins einen Behand­lungs­plan fest­le­gen, der Ihren Bedürf­nis­sen und Ihrer indi­vi­du­el­len Situa­ti­on gerecht wird.

Endo­me­trio­se ist eine chro­ni­sche Erkran­kung und obwohl wir mitt­ler­wei­le viel tun kön­nen, um Beschwer­den zu lin­dern oder sogar zu besei­ti­gen, kön­nen wir sie (noch) nicht hei­len. Das heißt, dass Endo­me­trio­se Sie wahr­schein­lich so lan­ge beglei­ten wird, solan­ge Sie ihre Monats­blu­tun­gen haben. Außer­dem wird jeder The­ra­pie­schritt Ihre Mit­ar­beit erfor­dern – egal, ob Sie regel­mä­ßig ein Hor­mon­prä­pa­rat ein­neh­men, eine Ope­ra­ti­on geplant wird und/oder Sie mit Hil­fe eines mul­ti­moda­len Schmerz­the­ra­pie Kon­zep­tes der Endo­me­trio­se begeg­nen. Aus die­sem Grund ist es wich­tig, dass Sie sich gut mit die­ser Erkran­kung aus­ken­nen. Wir möch­ten Ihnen auf die­sem Weg hel­fen und Ihnen einer­seits anhand des Behand­lungs­pla­nes auf Ihrem per­sön­li­chen Weg die nächs­ten Schrit­te erklä­ren und ande­rer­seits anhand des Rat­ge­bers gene­rel­le Fra­gen beant­wor­ten und aufklären.

Unser Tipp: Schrei­ben Sie jetzt schon alle Fra­gen auf!

Wei­te­re Diagnostik

Manch­mal sind wei­te­re dia­gnos­ti­sche Maß­nah­men sinn­voll um die Aus­brei­tung der Endo­me­trio­se noch genau­er ein­schät­zen und das wei­te­re Pro­ce­de­re zuver­läs­sig pla­nen zu können.

Dazu kön­nen fol­gen­de Unter­su­chun­gen gehören:

● Sig­mo­ido­sko­pie mit Endo­so­no­gra­phie (End­darm­un­ter­su­chung)

Dies ist eine spe­zi­el­le Art der Darm­spie­ge­lung, bei der ein fle­xi­bler Schlauch mit einem spe­zi­el­len Ultra­schall­kopf an der Spit­ze in den Darm ein­ge­führt wird um die Wand­schich­ten des Darms hin­sicht­lich des Ein­wach­sens einer Endo­me­trio­se beur­tei­len zu kön­nen. Mit der kom­bi­nier­ten End­darm­spie­ge­lung, bei der man mit­tels im Schlauch inte­grier­ter Kame­ra auch die inners­te Schicht der Darm­wand beur­tei­len kann, kön­nen auch even­tu­el­le Eng­stel­len beur­teilt werden.

● Kolo­sko­pie (kom­plet­te Dickdarmspiegelung)

Bei einer klas­si­schen Darm­spie­ge­lung, der Kolo­sko­pie, wird eben­falls ein fle­xi­bler Schlauch in den Darm ein­ge­führt. Die­ser hat im Gegen­satz zur Endo­so­no­gra­phie eine inte­grier­te Kame­ra und kann daher nur die Darm­schleim­haut, also die inners­te Schicht des Darms von innen beur­tei­len. Ein Ein­wach­sen der Endo­me­trio­se bis in das Inne­re des Darms ist aber sehr sel­ten und kann meist nur wäh­rend der Blu­tung ent­deckt wer­den. Die­se Unter­su­chung allei­ne ist daher sel­ten hilf­reich für die Dia­gno­se einer Endo­me­trio­se. In Ein­zel­fäl­len ist sie den­noch sinn­voll um hoch­ge­le­ge­ne Darm­ab­schnit­te und even­tu­el­le durch Endo­me­trio­se­her­de ver­ur­sach­te Eng­stel­len ent­de­cken zu können.

Neu­es­te Gerä­te besit­zen ein Endo­skop mit inte­grier­ter Kame­ra und Ultra­schall­kopf, sodass man die Endo­so­no­gra­phie und Kolo­sko­pie kom­bi­nie­ren kann. Alle Unter­su­chun­gen sind selbst­ver­ständ­lich nicht gefähr­lich und hel­fen uns sehr Ihre Erkran­kung bes­ser zu verstehen.

● Nie­renszin­ti­gra­phie

Mit einer Nie­renszin­ti­gra­phie kann die Funk­ti­ons­fä­hig­keit bei­der Nie­ren abge­klärt wer­den. Dies ist zu erwä­gen, wenn sich in der Ultra­schall­un­ter­su­chung ein Nie­ren­stau dar­ge­stellt hat. Dabei ist im Gegen­satz zu den Blut­un­ter­su­chun­gen eine sei­ten­ge­trenn­te Ana­ly­se der Nie­ren­funk­ti­on mög­lich. Für eine Nie­renszin­ti­gra­phie muss man nicht nüch­tern sein, man soll­te sogar ins­be­son­de­re auf eine aus­rei­chend Flüs­sig­keits­auf­nah­me ach­ten. Hier eig­net sich Was­ser am bes­ten. Wäh­rend Sie auf einer Lie­ge für mind. 30 min ruhig lie­gen, wird Ihnen über eine Flexü­le (Venen­ver­weil­ka­the­ter) eine leicht radio­ak­ti­ve Sub­stanz appli­ziert, wel­che sich zunächst im Kör­per ver­teilt und dann über die Nie­ren aus­ge­schie­den wird. Eine spe­zi­el­le Kame­ra nimmt nun über min­des­tens 30 Minu­ten Bil­der von Ihnen auf und kann so den Weg der radio­ak­ti­ven Sub­stanz in Ihrem Kör­per nach­voll­zie­hen und die über die Nie­ren aus­ge­schie­de­ne Men­ge ana­ly­sie­ren. Die Unter­su­chung ist mit einer gerin­gen Strah­len­ex­po­si­ti­on ver­bun­den, die etwa einem Drit­tel der jähr­li­chen natür­li­chen Strah­len­ex­po­si­ti­on in Deutsch­land ent­spricht. Die Strah­len­be­las­tung kann durch Ent­lee­rung der Bla­se nach der Unter­su­chung wei­ter redu­ziert werden.

● Zysto­sko­pie

Bei Ver­dacht auf Bla­se­nen­do­me­trio­se kann eine Bla­sen­spie­ge­lung durch einen Uro­lo­gen oder manch­mal auch Gynä­ko­lo­gen durch­ge­führt wer­den. Dabei kann die Ober­flä­che der Bla­sen­wand von innen beur­teilt wer­den, jedoch nicht durch die ver­schie­de­nen Schich­ten der Bla­sen­wand geschaut wer­den. Bei Vor­wöl­bung der Bla­sen­wand nach innen durch das Vor­drin­gen von Endo­me­trio­se in die Wand kann zur Siche­rung der Dia­gno­se ggf. eine Gewe­be­pro­be ent­nom­men wer­den. Eine Ent­fer­nung der Endo­me­trio­se durch die Bla­se ist jedoch nicht sinn­voll, da die Endo­me­trio­se durch die­sen Zugang nicht voll­stän­dig ent­fernt wer­den kann. Eine Bla­sen­spie­ge­lung wird auch durch­ge­führt, wenn die Harn­lei­ter geschient wer­den müs­sen. Dies ist zum Bei­spiel sowohl bei einem Harn­lei­ter- oder Nie­ren­stau unter gewis­sen Umstän­den sinn­voll, als auch vor aus­ge­dehn­ten Ope­ra­tio­nen im Bereich
der Harn­lei­ter.

● MRT

Die Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­phie (MRT) ist eine Schnitt­bild­ge­bung ohne Rönt­gen oder radio­ak­ti­ve Strah­len. Mit­hil­fe eines star­ken Magnet­fel­des und Radio­wel­len kön­nen so sehr genaue Bil­der des Kör­per­in­ne­ren erstellt wer­den. Inner­halb des Beckens besteht kein zusätz­li­cher Nut­zen der MRT zum trans­va­gi­na­len Ultra­schall in der Hand eines Geüb­ten. Außer­halb des Beckens ist die MRT jedoch allen ande­ren nicht inva­si­ven Unter­su­chun­gen über­le­gen, sodass bei Ver­dacht auf aty­pi­sche oder sehr aus­ge­präg­te Endo­me­trio­se eine MRT zur bes­se­ren The­ra­pie und Ope­ra­ti­ons­pla­nung in Erwä­gung gezo­gen wer­den sollte.

Eine Com­pu­ter­to­mo­gra­phie (CT) spielt in der Dia­gnos­tik der Endo­me­trio­se kei­ne Rolle.

● Vor­stel­lung Kinderwunschzentrum

Wenn Sie bereits län­ger als ein Jahr erfolg­los ver­su­chen schwan­ger zu wer­den, soll­ten Sie sich gemein­sam mit Ihrem Part­ner in einem Kin­der­wun­sch­zen­trum vor­stel­len. Dort wer­den zunächst wei­te­re Unter­su­chun­gen Ihrer Hor­mo­ne als auch Unter­su­chun­gen Ihres Part­ners durch­ge­führt (z.B. Über­prü­fung der Samen­qua­li­tät (Sper­mio­gramm). Ein gemein­sa­mer Fahr­plan und Abspra­chen mit Ihnen zwi­schen Ihrem Arzt oder Ihrer Ärz­tin und Ihrem Kin­der­wun­sch­zen­trum sind unab­ding­bar. Eine Ope­ra­ti­on zum Aus­schluss einer Endo­me­trio­se soll­te z.B. erst durch­ge­führt wer­den, wenn männ­li­che Ursa­chen der Ste­ri­li­tät aus­ge­schlos­sen worden.

● Gege­be­nen­falls ande­re Dis­zi­pli­nen (Gas­tro­en­te­ro­lo­gie, All­ge­mein­chir­ur­gie, HNO, …)

Je nach Beschwer­den ist es ggf. sinn­voll wei­te­re Fach­rich­tun­gen in die Dia­gnos­tik ein­zu­be­zie­hen. Unter gewis­sen Umstän­den kann es z.B. sinn­voll sein Nah­rungs­un­ver­träg­lich­kei­ten oder chro­nisch ent­zünd­li­che Darm­er­kran­kun­gen
aus­zu­schlie­ßen bevor wei­te­re dia­gnos­ti­sche oder the­ra­peu­ti­sche Schrit­te ein­ge­lei­tet werden.

medizinischer Querschnitt eines Frauenunterleibes mit Beschriftung der Geschlechtsorgane.

The­ra­pie­säu­le 1: Mul­ti­moda­le Therapie


Endo­me­trio­se wird als chro­ni­sche Erkran­kung ver­stan­den, so dass wir die ver­schie­de­nen Optio­nen mul­ti­moda­le The­ra­pie, hor­mo­nel­le The­ra­pie und/oder Ope­ra­ti­on bespre­chen und ein indi­vi­du­el­les der jewei­li­gen Lebens­si­tua­ti­on ange­pass­tes The­ra­pie­kon­zept gemein­sam erarbeiten.

Wir stel­len ihnen die Säu­len der Behand­lung im Fol­gen­den genau­er vor.

Säu­le 1: Die mul­ti­moda­le Therapie

Unter dem Begriff „mul­ti­moda­les The­ra­pie­kon­zept“ ver­ste­hen wir eine Viel­zahl an unter­stüt­zen­den (sup­por­ti­ven) Maß­nah­men, die Ihren monat­li­chen Schmer­zen auf ver­schie­de­nen Ebe­nen begeg­nen. In man­chen Fäl­len lie­gen kei­ne wis­sen­schaft­li­chen Bewei­se (kei­ne wis­sen­schaft­li­che Evi­denz) dafür vor, dass die Metho­de hilft. Den­noch gilt in die­sem Fall der Grund­satz „wer heilt hat recht“. Das soll hei­ßen: Wenn Ihnen eine Metho­de hilft, braucht man kei­nen wis­sen­schaft­li­chen Beweis dafür.

Das mul­ti­moda­le The­ra­pie­kon­zept soll Sie in jedem Fall beglei­ten – egal, ob Sie sich mit Ihrer Ärz­tin oder Ihrem Arzt für eine kon­ser­va­ti­ve oder ope­ra­ti­ve The­ra­pie ent­schei­den. Im Fol­gen­den wer­den eini­ge Metho­den der The­ra­pie vor­ge­stellt. Es liegt danach an Ihnen die­se aus­zu­pro­bie­ren und für sich selbst her­aus­zu­fin­den, was Ihnen hilft. Die­ser Weg kann sehr indi­vi­du­ell sein und ist von Pati­en­tin zu Pati­en­tin unter­schied­lich. Dies kann gele­gent­lich auch etwas Geduld und Selbst­dis­zi­plin erfor­dern. Manch­mal ist es näm­lich gar nicht so leicht, unter all den Ange­bo­ten das zu fin­den, was einem selbst am meis­ten hilft. Viel­leicht eig­net sich für Sie dann eine Reha­bi­li­ta­ti­ons­be­hand­lung (kurz „Reha“), bei der sie ver­schie­de­ne The­ra­pie­op­tio­nen kennenlernen.

Medi­ka­men­tö­se Schmerztherapie

Wäh­rend hor­mo­nel­le oder ope­ra­ti­ve The­ra­pie dar­auf abzie­len, die Endo­me­trio­se selbst zu bekämp­fen, ist das Ziel der medi­ka­men­tö­sen Schmerz­the­ra­pie die durch die Endo­me­trio­se ver­ur­sach­ten Schmer­zen zu bekämp­fen. Dies ist wich­tig, da der mensch­li­che Kör­per ein soge­nann­tes „Schmerz­ge­dächt­nis“ hat. Das bedeu­tet, dass der Kör­per bei lang­an­hal­ten­den Schmer­zen irgend­wann auch dann Schmerz­si­gna­le ans Gehirn sen­det, wenn der Schmerz­reiz gar nicht mehr vor­han­den ist. Man spricht dann von chro­ni­schem Schmerz. Außer­dem kommt es vor, dass der Kör­per lan­ge bestehen­den Schmerz noch inten­si­ver wahr­nimmt. Im Ver­lauf wird das schmerz­haf­te Kör­per­are­al ver­grö­ßert und in dem sen­si­bi­li­sier­ten Bereich kann bereits eine ein­fa­che Berüh­rung schmerz­haft sein.

Aus die­sem Grund wird emp­foh­len Schmer­zen nicht tap­fer zu ertra­gen, son­dern ihnen mit geeig­ne­ten Schmerz­mit­teln zu begeg­nen. Geeig­net meint hier­bei, dass Men­ge und Dosie­rung ein gewis­ses Maß nicht über­schrei­ten dür­fen und auch nur Medi­ka­men­te kom­bi­niert wer­den soll­ten, die einen sich ergän­zen­den Effekt haben. Soll­ten Ihnen die in der Apo­the­ke rezept­frei käuf­li­chen gän­gi­gen Schmerz­mit­tel in den zuge­las­se­nen Dosie­run­gen in man­chen Situa­tio­nen nicht aus­rei­chend hel­fen, ist viel­leicht ein stär­ke­res, ver­schrei­bungs­pflich­ti­ges Medi­ka­ment ange­zeigt. Spre­chen Sie Ihre behan­deln­den Ärz­te dar­auf an. In man­chen Situa­tio­nen kann es auch sinn­voll sein sich in einem Schmerz­zen­trum vor­zu­stel­len, um dort einen indi­vi­du­el­len The­ra­pie­plan zu erhalten.

Ernährungsumstellung/Ernährungsberatung

Zual­ler­erst gilt es zu beto­nen, dass es auch im Bereich Ernäh­rung noch kei­ne wis­sen­schaft­li­chen Bewei­se für die Wirk­sam­keit einer bestimm­ten „Endo­me­trio­se-Diät“ gibt. Man­che Stu­di­en wider­spre­chen sich auch und so kann
kei­ne gene­rel­le bzw. abso­lu­te Emp­feh­lung aus­ge­spro­chen wer­den. Vie­le Frau­en berich­ten aber, dass eine auf sie abge­stimm­te Ernäh­rungs­um­stel­lung ihnen gut getan hat.

Beson­ders die Endo­me­trio­se-asso­zi­ier­ten Darm­be­schwer­den (der sog. endo-bel­ly) kön­nen mit der rich­ti­gen Ernäh­rung gelin­dert wer­den. Dies­be­züg­lich kann es hel­fen Glu­ten und Zucker sowie Milch­pro­duk­te ein­mal zu redu­zie­ren bzw. die­se Lebens­mit­tel ver­suchs­wei­se ganz weg­zu­las­sen. Auch Pro­bio­ti­ka kön­nen dabei hel­fen die Darm­flo­ra zu unter­stüt­zen und Darm­pro­ble­me zu reduzieren.

Die weni­gen Stu­di­en, die es mitt­ler­wei­le bezüg­lich eines Zusam­men­hangs zwi­schen Ernäh­rung und Endo­me­trio­se­ri­si­ko gibt, legen nahe, dass der Ver­zehr von viel fri­schem (vor­zugs­wei­se grü­nem) Gemü­se, Ome­ga 3 Fett­säu­ren, Soja­pro­duk­ten und Milch­pro­duk­ten, die viel Cal­ci­um und Vit­amin D ent­hal­ten, das Risi­ko redu­zie­ren. Dage­gen schei­nen gesät­tig­te Fett­säu­ren, rotes Fleisch und Alko­hol das Endo­me­trio­se­ri­si­ko zu erhö­hen. Bezüg­lich Obst und Kaf­fee gibt es wider­sprüch­li­che Daten, so dass dies­be­züg­lich kei­ne ein­deu­ti­ge Emp­feh­lung aus­ge­spro­chen wer­den kann. Es gibt außer­dem Stu­di­en, die zeig­ten, dass anti­oxi­da­ti­ve Vit­ami­ne (Vit­amin A, C und E), Vit­amin B, sowie Zink und Fol­säu­re risi­ko­re­du­zie­rend zu sein schei­nen. Hoch­do­sier­tes Vit­amin D konn­te in Stu­di­en auch einen güns­ti­gen Effekt bei Endo­me­trio­se bele­gen. Auch die Sub­sti­tu­ti­on von Fisch­öl redu­zier­te in einer Stu­die das Endo­me­trio­se­ri­si­ko. Dass sich Grün­tee­ex­trakt redu­zie­rend auf Endo­me­trio­se­lä­sio­nen aus­wirkt, ist zwar bis­her nur in Tier­ver­su­chen gezeigt wor­den, es kann aber ver­suchs­wei­se ange­wen­det werden.

Man­che Pati­en­tin­nen reagie­ren bei der Auf­nah­me von hist­amin­hal­ti­gen Lebens­mit­teln mit ver­stärk­ten Darm­be­schwer­den oder sogar Schmerz­zu­nah­me, auch hier lohnt es sich zu for­schen, ob hier einen Zusam­men­hang bestehen kann.

Es ist wich­tig für sich selbst her­aus­zu­fin­den, was einem gut­tut und wel­che Nah­rungs­mit­tel die Beschwer­den ver­stär­ken. Hier bie­tet es sich an ein „Beschwer­de­ta­ge­buch“ zu füh­ren und genau auf­zu­zeich­nen, was man wann
geges­sen und wie man sich an dem Tag gefühlt hat. Wenn man einen Ver­such wagen und bestimm­te Nah­rungs­mit­tel ganz vom Spei­se­plan strei­chen will, ist es sinn­voll nicht meh­re­re Nah­rungs­mit­tel auf ein­mal weg­zu­las­sen. Geht es einem näm­lich bes­ser, ist manch­mal unklar auf das Weg­las­sen wel­chen Nah­rungs­mit­tels
die Bes­se­rung zurück­zu­füh­ren ist.

Blei­ben Sie auf ihrem indi­vi­du­el­len Weg neu­gie­rig und ver­su­chen Sie Ihre Ernäh­rung Schritt für Schritt umzu­stel­len. Und soll­te mal der Heiß­hun­ger zu groß sein, gön­nen Sie sich ihr Leib­ge­richt mit Genuss. Es ist kei­nem gehol­fen, wenn durch Gewis­sens­bis­se der Spaß am Essen und damit die Lebens­qua­li­tät abnimmt.

Aus den Erfah­run­gen der Frau­en zeigt sich aber wie sehr man Ein­fluss neh­men kann (Bericht Anna Lena Wil­ken mit ihrem Buch: In der Regel bin ich stark). Daher hal­ten wir die­ses The­ma auch für sehr wich­tig und sind gera­de dabei auch in die­sem Bereich For­schungs­pro­jek­te ins Leben zu rufen.

Psy­chi­sches Wohl­be­fin­den – Psy­cho­so­ma­ti­sche Vor­stel­lung oder
Psy­cho­the­ra­pie

Stu­di­en konn­ten zei­gen, dass die psy­chi­sche Ver­fas­sung einen gro­ßen Ein­fluss auf das Schmerz­emp­fin­den haben kann. So weiß man, dass Men­schen mit Depres­sio­nen eine deut­lich ver­stärk­te Schmerz­wahr­neh­mung haben. Ande­rer­seits kann im Fall von Endo­me­trio­se auch die Krank­heit selbst zu depres­si­ven Stim­mun­gen füh­ren. Wenn Pati­en­tin­nen vie­le Jah­re von Arzt zu Arzt lau­fen, ohne dass ihnen gehol­fen wird oder auf­grund der Schmer­zen ihr sozia­les Leben beein­träch­tigt wird, ist eine psy­chi­sche Belas­tung oft eine typi­sche Begleit­erschei­nung oder wird sogar zum füh­ren­den Sym­ptom. Dies konn­ten wir an unse­ren bis­he­ri­gen Pati­en­tin­nen bestä­ti­gen. In einer Mas­ter­ar­beit einer Psy­cho­lo­gie­stu­den­tin konn­ten wir bele­gen, dass mit zuneh­men­der Schmerz­dau­er auch das Risi­ko einer Depres­si­on steigt. Um die­sen Teu­fels­kreis zu durch­bre­chen, kann eine psy­cho­so­ma­ti­sche oder psy­cho­lo­gi­sche The­ra­pie sinn­voll sein. Die­se kann auch dabei hel­fen zu akzep­tie­ren, dass man an einer chro­ni­schen Erkran­kung lei­det und Bewäl­ti­gungs­stra­te­gien zu entwickeln.

Uns liegt die psy­chi­sche Gesund­heit unse­rer Pati­en­tin­nen sehr am Her­zen, daher sind wir sehr glück­lich, dass wir an der Cha­ri­té ein umfas­sen­des For­schungs­pro­jekt anbie­ten kön­nen, ggf. wird der Arzt/Ärztin sie bezüg­lich einer Teil­nah­me an der Stu­die ansprechen.

Zum Bei­spiel möch­ten wir den Zusam­men­hang zwi­schen Hor­mon­ein­nah­me und dem Auf­tre­ten von Depres­si­on unter­su­chen, zum ande­ren aber auch struk­tu­rier­te Inter­views durch­füh­ren, um auch eine bes­se­re Kennt­nis bezüg­lich der jewei­li­gen Situa­ti­on zu erlan­gen. Hier gibt es defi­ni­tiv zu wenig For­schung, das wol­len wir ändern.

Es ist außer­dem noch wich­tig zu erwäh­nen, dass es vie­le Pati­en­tin­nen gibt deren Part­ner­schaft durch ihre chro­ni­sche Erkran­kung belas­tet ist. Auch das Sex­le­ben kann durch den Endo­me­trio­se-typi­schen Schmerz beim Geschlechts­ver­kehr (Dys­pa­reu­nie) beein­träch­tigt sein. Scheu­en Sie sich also nicht auch eine Sexu­al oder Paar­the­ra­pie in Erwä­gung zu zie­hen. Auch hier haben wir eine sehr ein­fühl­sa­me Kol­le­gin, die für sie und ihren Partner/Partnerin da ist (bei Inter­es­se erfra­gen Sie nach einem Ter­min bei Frau Nico­le Gehr­mann, Gynä­ko­lo­gin und Sexu­althe­ra­peu­tin in der Frau­en­kli­nik der Charité).

Phy­sio­the­ra­pie, Bewe­gung und Sport

Dass kör­per­li­che Bewe­gung und Sport einen posi­ti­ven Effekt auf Kör­per und See­le haben, ist gut erforscht. Wie oben bereits beschrie­ben, hat die Psy­che einen wich­ti­gen Ein­fluss auf unser Schmerz­emp­fin­den. Soge­nann­te Endor­phi­ne wer­den bei kör­per­li­cher Bewe­gung aus­ge­schüt­tet und heben die Stim­mung – eine kör­per­ei­ge­ne Metho­de, um das psy­chi­sche Wohl­be­fin­den zu stei­gern. Bei chro­ni­schen Schmer­zen neh­men die Betrof­fe­nen oft eine Schon­hal­tung ein, die dann wie­der­um selb­stän­dig den Schmerz­kreis­lauf ver­stärkt. Bei Endo­me­trio­se-Pati­en­tin­nen betrifft die­se Schon­hal­tung und Ver­span­nung oft den Becken­bo­den. Kör­per­li­che Bewe­gung hilft Ver­kramp­fun­gen vor­zu­beu­gen oder sie zu lösen. Neben­bei wer­den Mus­keln auf­ge­baut, Stress abge­baut und das Immun­sys­tem gestärkt – dies stei­gert das Wohl­be­fin­den zusätz­lich. Es ist nun an Ihnen her­aus­zu­fin­den, wel­che Sport­art Ihnen gut­tut und für Sie auch dau­er­haft in Ihren All­tag zu inte­grie­ren ist. Neben Mus­kel­auf­bau ist aber auch die geziel­te Becken­bo­den­ent­span­nung wichtig.

Vie­len Frau­en hilft Yoga oder Pila­tes, aber auch Aquas­port, Lauf- oder Wan­der­sport an der fri­schen Luft sind zu emp­feh­len. Auch von Becken­bo­den­gym­nas­tik pro­fi­tie­ren viele.

Bei spe­zi­el­len Pro­ble­men oder Fra­ge­stel­lun­gen kann Phy­sio­the­ra­pie zusätz­lich sehr hilf­reich sein. Neben Übun­gen zur Kräf­ti­gung, Deh­nung und zur Lösung von Ver­kramp­fun­gen, steht die Tech­nik der trans­cu­ta­nen-Elek­tro-Ner­ven­sti­mu­la­ti­on mit Bio­feed­back (TENS) zur Ver­fü­gung. Hier­bei wer­den nied­rig-fre­quen­te Strom­im­pul­se ver­wen­det, die die Schmerz­emp­find­lich­keit redu­zie­ren sol­len. Eini­ge Kas­sen über­neh­men die­se The­ra­pie – auch wenn abschlie­ßen­de wis­sen­schaft­li­che Bewei­se über ihre Wirk­sam­keit (noch) fehlen.

Kom­ple­men­tä­re Behand­lungs­ver­fah­ren – Osteo­pa­thie und tra­di­tio­nel­le
chi­ne­si­sche The­ra­pie mit Akupunktur.

Eini­ge Pati­en­tin­nen machen gute Erfah­run­gen mit der TCM (Tra­di­tio­nel­le Chi­ne­si­sche Medi­zin) und ihrer wich­ti­gen Säu­le der Aku­punk­tur. Auch wenn hier häu­fig die wis­sen­schaft­li­chen Bele­ge für eine Wirk­sam­keit feh­len, kön­nen die­se The­ra­pien den medi­zi­ni­schen Behand­lungs­an­satz unter­stüt­zen und beglei­ten. Es ist hier­bei wich­tig einen The­ra­peu­ten zu fin­den, zu dem man einen guten Zugang spürt und sich wohl fühlt.

Osteo­pa­thie

Lang­an­hal­ten­de Schmer­zen füh­ren oft zu Fehl­hal­tun­gen des gesam­ten Bewe­gungs­ap­pa­ra­tes. Des­halb ist hier eine ganz­heit­li­che Behand­lung erfor­der­lich. Die Osteo­pa­thie ist in unse­ren Augen ein wich­ti­ger Aspekt, denn durch geziel­te manu­el­le Behand­lung wer­den hier Mus­keln und Fas­zi­en wie­der gelöst und damit Fehl­stel­lun­gen – vor allem vom Ileo­sa­cral-Gelenk – wie­der gelöst. Gleich­zei­tig kön­nen auch der obe­re Schul­ter­gür­tel und das Zwerch­fell kön­nen betrof­fen sein. Man­che Kas­sen leis­ten hier Zuzah­lun­gen, so dass die­se Form der Behand­lung unbe­dingt mit inte­griert wer­den sollte.

Stress­re­duk­ti­on und „Haus­mit­tel­chen“

Wie oben bereits beschrie­ben, ist psy­chi­sches Wohl­be­fin­den ein wich­ti­ger Ansatz, um ein glück­li­ches Leben mit und trotz Endo­me­trio­se zu füh­ren. Auf sich selbst zu ach­ten und sich Zeit für sich zu neh­men sind Schrit­te, die auch ohne Endo­me­trio­se ein Schlüs­sel zu mehr inne­rer Aus­ge­gli­chen­heit sind. Auch wenn Stress in unse­rem voll­ge­pack­ten All­tag nie voll­stän­dig zu ver­mei­den ist, soll­te man sich bewuss­te Aus­zei­ten neh­men und Stress soweit wie mög­lich reduzieren.

Hilf­reich gegen Schmer­zen kön­nen auch alt­be­kann­te „Haus­mit­tel­chen“ sein, die vie­le Pati­en­tin­nen ohne­hin schon regel­mä­ßig anwen­den. Durch Wär­me­an­wen­dun­gen auf den schmerz­haf­ten Berei­chen oder ein war­mes Wan­nen­bad emp­fin­den vie­le Frau­en eine spür­ba­re Lin­de­rung aku­ter Beschwer­den. Bei ihnen wirkt Wär­me ent­span­nend, beru­hi­gend und krampf­lö­send. Auch Medi­ta­ti­on, auto­ge­nes Trai­ning oder pro­gres­si­ve Mus­kel­re­la­xa­ti­on kön­nen die­sen Effekt haben.

The­ra­pie­säu­le 2: Ope­ra­ti­ve Therapie

In unse­rem Zen­trum haben wir bereits mehr als 15.000 Endo­me­trio­se­pa­ti­en­tin­nen nach unse­rer Phi­lo­so­phie und Erfah­rung betreut. Es muss, wie bereits im Dia­gnos­tik­teil beschrie­ben, kei­ne Ope­ra­ti­on zur rei­nen Dia­gnos­tik durch­ge­führt wer­den, kann aber natür­lich im Ein­zel­fall auch sinn­voll sein und muss indi­vi­du­ell bespro­chen wer­den. Bei­spiels­wei­se ist in eini­gen Län­dern die his­to­lo­gi­sche Siche­rung einer Endo­me­trio­se obli­gat, bevor eine Kin­der­wunsch­be­hand­lung ein­ge­lei­tet wer­den kann (Öster­reich). Oder Ihrer­seits besteht der Wunsch nach einer defi­ni­ti­ven Klä­rung. Die Dia­gno­se einer rele­van­ten Endo­me­trio­se ist durch erfah­re­ne Unter­su­chung jedoch meis­tens allein durch die Ana­ly­se Ihrer Beschwer­den und die kli­ni­sche Unter­su­chung zu stellen.

Wenn kein aktu­el­ler Kin­der­wunsch und kein Hin­weis auf Organ­de­struk­ti­on besteht kann zunächst eine kon­ser­va­ti­ve hor­mo­nel­le The­ra­pie erfol­gen, soll­ten dar­un­ter die Beschwer­den insis­tie­ren, kann abge­war­tet wer­den. Soll­ten die Beschwer­den aber unter einer hor­mo­nel­len The­ra­pie wei­ter bestehen blei­ben, dann sind Bauch­fell Her­de wahr­schein­lich und eine ope­ra­ti­ve Ent­fer­nung die­ser macht Sinn. Für die­se Ent­schei­dung ist es aber wich­tig für min­des­tens 3 Mona­te blu­tungs­frei gewe­sen zu sein unter einer hor­mo­nel­len The­ra­pie, hat­ten sie unter eine hor­mo­nel­len The­ra­pie Blu­tun­gen sind damit dann meist auch Beschwer­den asso­zi­iert, dann ist das
nach­voll­zieh­bar, weil die­se Schmer­zen durch die Gebär­mut­ter bedingt sind.

Ihre Ärz­tin oder Ihr Arzt soll­te Ihnen eine Ope­ra­ti­on emp­feh­len, wenn:

  1. sich in der kli­ni­schen Unter­su­chung Hin­wei­se auf eine tief infil­trie­ren­de Endo­me­trio­se mit star­ken Beschwer­den oder der Gefahr von blei­ben­den Organ­schä­den zei­gen. Als Bei­spiel sei hier ein Stau der Harn­lei­ter oder Nie­ren erwähnt. Dies kann ein­sei­tig oder beid­sei­tig auf­tre­ten und bedingt auf län­ge­re Zeit den Funk­ti­ons­ver­lust der Niere.
  2. eine kon­ser­va­ti­ve (nicht ope­ra­ti­ve) The­ra­pie nicht zu einer aus­rei­chen­den Beschwer­de­bes­se­rung geführt hat.
  3. Ihrer­seits der drin­gen­de Wunsch nach his­to­lo­gi­scher Siche­rung der Dia­gno­se besteht. Die Dia­gno­se einer rele­van­ten Endo­me­trio­se ist durch erfah­re­ne Unter­su­chung jedoch meis­tens allein durch die Ana­ly­se Ihrer
    Beschwer­den und die kli­ni­sche Unter­su­chung zu stel­len und bedarf kei­ner his­to­lo­gi­schen Sicherung.
  4. Sie seit mehr als einem Jahr trotz regel­mä­ßi­gem Geschlechts­ver­kehr nicht schwan­ger wer­den. Aller­dings soll­te vor wei­te­ren Schrit­ten zunächst die Vor­stel­lung in einem Kin­der­wun­sch­zen­trum erfol­gen, ins­be­son­de­re um männ­li­che Ursa­chen der Ste­ri­li­tät auszuschließen.

Was ist mit Schmerz­ver­bes­se­rung? Ist das nicht auch eine OP-Indi­ka­ti­on? Ja natür­lich, es soll­te jedoch ein ganz­heit­li­ches Kon­zept ver­folgt wer­den; das bedeu­tet u.a. so wenig Ope­ra­tio­nen wie mög­lich und wenn Ope­ra­ti­on, dann so effek­tiv wie mög­lich. Da die Schmer­zen bei Endo­me­trio­se kom­plex sind, las­sen sich lei­der nicht immer alle Schmer­zen durch eine Ope­ra­ti­on ent­fer­nen. In der Ver­gan­gen­heit hat eine man­geln­de Ana­ly­se der Beschwer­den und Schmer­zen daher dazu geführt, dass vie­le Frau­en zum Teil mehr­fach ohne Erfolg ope­riert wur­den. Die Grün­de für eine Ope­ra­ti­on müs­sen daher gut über­legt wer­den. Es bleibt bereits an die­ser Stel­le fest­zu­hal­ten, dass nur ca. die Hälf­te der Pati­en­tin­nen nach einer ope­ra­ti­ven Endo­me­trio­se­ent­fer­nung beschwer­de­frei ist.

Bei Frau­en mit bis­her nicht abge­schlos­se­ner Fami­li­en­pla­nung ist das obers­te Gebot der Organer­halt. Dadurch erklärt sich jedoch, dass nicht immer alle Endo­me­trio­se­her­de voll­stän­dig zu ent­fer­nen sind, wie z.B. bei einem Befall der Gebär­mut­ter selbst (Ade­no­myo­sis ute­ri) oder bei einem Befall der Eier­stö­cke. Die­se kön­nen daher wei­ter­hin Ursa­che von Schmer­zen sein.

Zusätz­lich kann durch wie­der­keh­ren­den Schmerz über einen län­ge­ren Zeit­raum eine Schmerz­chro­ni­fi­zie­rung auf­tre­ten, wel­che zu sekun­dä­ren Becken­bo­den­ver­än­de­run­gen füh­ren kann und unbe­dingt mul­ti­modal the­ra­piert
wer­den soll­te. Wei­te­re Ope­ra­tio­nen füh­ren hier meist eher zu einer Schmerzverschlechterung.

Wenn Endo­me­trio­se­her­de im Bereich der Gebär­mut­ter lie­gen, erwä­gen man­che Frau­en mit sehr star­ken Beschwer­den eine Ope­ra­ti­on zur Ent­fer­nung der Gebär­mut­ter (Hys­te­rek­to­mie). Dabei kön­nen auch an die Gebär­mut­ter angren­zen­de Her­de ent­fernt wer­den. Eine Gebär­mut­ter­ent­fer­nung erwä­gen Frau­en meist nur, wenn die Endo­me­trio­se eine sehr star­ke Ein­schrän­kung ihres Lebens bedeu­tet, ande­re Behand­lun­gen nicht erfolg­reich waren und sie sicher sind, dass sie kein Kind mehr bekom­men möch­ten. Das Alter einer Frau spielt bei der Ent­schei­dung für oder gegen eine Ent­fer­nung der Gebär­mut­ter eben­falls eine wich­ti­ge Rol­le. Sinn­voll ist eine Ope­ra­ti­on zudem nur, wenn die Unter­su­chungs­er­geb­nis­se tat­säch­lich eine Bes­se­rung der Beschwer­den erwar­ten las­sen. Übli­cher­wei­se wer­den bei einer Ent­fer­nung der Gebär­mut­ter die Eier­stö­cke belas­sen, um die Bil­dung der Hor­mo­ne zu erhalten.

Eine Gebär­mut­ter­ent­fer­nung allein gibt daher jedoch kei­ne Garan­tie, dass die Endo­me­trio­se danach geheilt ist. Solan­ge die Eier­stö­cke wei­ter­hin funk­tio­nell aktiv sind und Östro­gen pro­du­zie­ren, wer­den Endo­me­trio­se­her­de in ande­ren Loka­li­sa­tio­nen wei­ter­hin sti­mu­liert und kön­nen Beschwer­den ver­ur­sa­chen. Durch eine Ent­fer­nung der Eier­stö­cke wird die Pro­duk­ti­on der weib­li­chen Geschlechts­hor­mo­ne gestoppt (künst­li­che Wech­sel­jah­re), damit auch die Sti­mu­la­ti­on der Endo­me­trio­se­her­de. Man­che Frau­en haben nach die­ser Ope­ra­ti­on durch den Weg­fall der Hor­mo­ne aber so star­ke all­ge­mei­ne Beschwer­den, dass sie eine Hor­mon­be­hand­lung mit Östro­gen wün­schen. Dann kann es sein, dass die Hor­mon­prä­pa­ra­te erneut Endo­me­trio­se-Beschwer­den aus­lö­sen. Eine Ent­fer­nung der Eier­stö­cke wird im All­ge­mei­nen daher frü­hes­tens ab dem 45. Lebens­jahr in Betracht gezo­gen, auch um mög­li­che Lang­zeit­ne­ben­wir­kun­gen (erhöh­tes Osteo­po­ro­se­ri­si­ko, erhöh­tes Risi­ko für Herz­in­fark­te) mög­lichst gering zu halten.

OP Zeit­punkt

Bezüg­lich des Ope­ra­ti­ons­zeit­punk­tes im Zyklus gibt es kei­ne ganz ein­heit­li­che Empfehlung.

Falls Sie aktu­ell eine hor­mo­nel­le The­ra­pie ein­neh­men, emp­feh­len wir die­se zu pau­sie­ren und die Ope­ra­ti­on erst nach min­des­tens zwei Regel­blu­tun­gen durch­zu­füh­ren. Laut Köh­ler et al. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19819448) kommt es durch die hor­mo­nel­le The­ra­pie zu einem Downs­ta­ging und Inak­ti­vie­rung der Endo­me­trio­se­her­de, wel­che wäh­rend der Ope­ra­ti­on nun nicht mehr so deut­lich gese­hen und daher häu­fi­ger über­se­hen wer­den kön­nen, sodass die Ope­ra­ti­on ggf. nicht als voll­stän­di­ge Ent­fer­nung der Endo­me­trio­se erfol­gen kann.

Bei einer Abklä­rung wegen Kin­der­wunsch emp­feh­len wir außer­dem die Ope­ra­ti­on zwi­schen dem 1. Und 10. Zyklus­tag durch­zu­füh­ren, ins­be­son­de­re wenn die Ope­ra­ti­on mit einer dia­gnos­ti­schen Gebär­mut­ter­spie­ge­lung und einer Durch­gän­gig­keits­prü­fung der Eilei­ter (Chro­m­opertu­ba­ti­on) kom­bi­niert wird. Zu die­sem Zeit­punkt sind bei nur gering auf­ge­bau­ter Schleim­haut die Sicht­ver­hält­nis­se in der Gebär­mut­ter bes­ser. Außer­dem kann theo­re­tisch in der zwei­ten Hälf­te des Zyklus nach dem Eisprung eine Schwan­ger­schaft ein­ge­tre­ten sein, wel­che durch einen regu­lä­ren Urinschwan­ger­schafts­test noch nicht erkannt wird.

Bei Endo­me­trio­se­sa­nie­run­gen kann davon auch abge­wi­chen wer­den, da die Dar­stell­bar­keit von Endo­me­trio­se­her­den ins­be­son­de­re kurz vor der Blu­tung sowohl in der Gebär­mut­ter­spie­ge­lung als auch in der Bauch­spie­ge­lung beson­ders gut ist.

OP-Vor­be­rei­tung

Wenn der gemein­sa­me Ent­schluss zu einer Ope­ra­ti­on getrof­fen und ein OP Ter­min ver­ein­bart wur­de, müs­sen zuvor noch wei­te­re vor­be­rei­ten­de Maß­nah­men durch­ge­führt wer­den. Dazu zählt die Ope­ra­ti­ons­auf­klä­rung, in der Ihnen Ihr Arzt oder Ihre Ärz­tin den all­ge­mei­nen Ablauf der Ope­ra­ti­on und sowohl die all­ge­mei­nen als auch spe­zi­fi­schen Risi­ken erläutert.

Wie läuft der Ein­griff genau ab? Kann es zu Neben­wir­kun­gen oder Kom­pli­ka­tio­nen kom­men? Der ope­rie­ren­de Arzt oder die ope­rie­ren­de Ärz­tin wird die­se und wei­te­re wich­ti­ge Fra­gen in einem ers­ten Gespräch mit Ihnen klä­ren. Auch über Nach­sor­ge und Reha wird gesprochen.

Anschlie­ßend erfolgt die Auf­klä­rung durch den Nar­ko­se­arzt. Dabei wer­den die ver­schie­de­nen For­men einer Nar­ko­se, deren Ablauf und Risi­ken und ggf. auch spe­zi­el­len Schmerz­the­ra­pien bespro­chen. Je nach Vor­er­kran­kun­gen oder Vor­ope­ra­tio­nen emp­fiehlt der Nar­ko­se­arzt oder die Nar­ko­se­ärz­tin noch wei­ter­füh­ren­de Unter­su­chun­gen, um zum Bei­spiel die Funk­ti­ons­fä­hig­keit von Herz und Lun­ge sicherzustellen.

Bei einer Blut­ent­nah­me wer­den neben dem regu­lä­ren Blut­bild auch die Nie­ren­wer­te und die Gerin­nung kon­trol­liert. Der Wert CA 125 eig­net sich nicht als Akti­vi­täts­mar­ker für die Endo­me­trio­se, da dies ein unspe­zi­fi­scher Wert ist, wel­cher bei Erkran­kun­gen des Bauch­fells oder Eier­stocks erhöht ist, so auch bei Bauch­fell­ent­zün­dun­gen oder Eierstockerkrankungen.

Soll­te eine Ope­ra­ti­on mit Darm­be­tei­li­gung geplant sein, wird Ihr Arzt oder Ihre Ärz­tin Ihnen Emp­feh­lun­gen bezüg­lich Abführ­maß­nah­men vor der Ope­ra­ti­on geben. Hier ist her­vor­zu­he­ben, dass wenn eine kom­ple­xe Endo­me­trio­se­ope­ra­ti­on even­tu­ell sogar mit Darm­teil­re­sek­ti­on geplant wird, es sich emp­fiehlt eine loka­le Schmerz­the­ra­pie (Peri­du­ral­an­äs­the­sie) für die post­ope­ra­ti­ve Schmerz­kon­trol­le in Erwä­gung zu zie­hen. Dar­über kön­nen dann Schmerz­mit­tel gege­ben wer­den und wir müs­sen weni­ger über den gan­zen Kör­per geben, was wie­der­um Neben­wir­kun­gen hat. Das hört sich zwar im ers­ten Moment etwas gru­se­lig an, ist aber meist von gro­ßem Vor­teil und wird auch von uns Gynä­ko­lo­gen empfohlen.

Wir bit­ten Sie am Tag oder am Mor­gen vor der Ope­ra­ti­on auch noch mal ein beson­de­res Augen­merk auf Ihre Kör­per­pfle­ge zu legen, dazu zählt ins­be­son­de­re bei einer Bauch­spie­ge­lung auch die Rei­ni­gung des Nabels.

OP-Ablauf

Für eine geplan­te Ope­ra­ti­on emp­fiehlt es sich nüch­tern zu sein. Dies bedeu­tet, dass zwi­schen der letz­ten Auf­nah­me von Nah­rung und Geträn­ken und der Ope­ra­ti­on min­des­tens sechs Stun­den ver­gan­gen sein soll­ten. Dazu zäh­len auch Kau­gum­mi kau­en und rau­chen. Kla­re Geträn­ke wie Was­ser oder Tee ohne Zusät­ze sind in klei­nen Men­gen bis zu zwei Stun­den vor einer Ope­ra­ti­on mög­lich. Die­se stren­gen Regeln die­nen dazu Sie vor einer soge­nann­ten Aspi­ra­ti­ons­pneu­mo­nie zu schüt­zen! Dabei läuft Magen­in­halt mit Magen­säu­re die Spei­se­röh­re hoch in die Lun­ge und kann dort zu einer schwe­ren Lun­gen­ent­zün­dung füh­ren. Bei geplan­ten, sog. elek­ti­ven Ein­grif­fen möch­ten wir die­ses Risi­ko für Sie daher nicht ein­ge­hen und bestehen auf die oben genann­ten Nüchternzeiten.

Nach­dem Sie vom OP Team abge­ru­fen wor­den, wer­den Sie vom Pfle­ge­per­so­nal oder einem Ser­vice­team in den OP gebracht. Dort emp­fängt Sie für gewöhn­lich die Anäs­the­sie­pfle­ge und der Nar­ko­se­arzt oder – ärz­tin. Ihr Arzt oder Ihre Ärz­tin wird je nach Tätig­keit auch hier noch­mals ver­su­chen für Sie und even­tu­ell noch vor­han­den Fra­gen zur Ver­fü­gung zu stehen.

Die Durch­füh­rung einer Endo­me­trio­se-OP erfolgt im Nor­mal­fall per Bauch­spie­ge­lung (Laparo­sko­pie), dh. Mini­mal- inva­siv. Eine Endo­me­trio­se­sa­nie­rung kann je nach Aus­maß 20 Minu­ten bis zu meh­re­ren Stun­den dau­ern. Bei einer Laparo­sko­pie geht man für gewöhn­lich über den Bauch­na­bel in den Bauch ein und pumpt dann Koh­len­stoff­di­oxid in den Bauch, damit sich die Bauch­de­cke von den Orga­nen abhebt und man dann mit deut­lich redu­zier­tem Risi­ko die Arbeitstro­kar­hül­sen in die not­wen­di­gen Posi­tio­nen im Unter­bauch ein­brin­gen kann. Für gewöhn­lich sind dies zwei bis drei ca. 1 cm lan­ge Ein­schnit­te links, mit­tig und rechts im Unter­bauch. Soll­ten Sie bereits mehr­fach vor­ope­riert sein, ist es ggf. eine siche­re Vari­an­te den ers­ten Tro­kar links­sei­tig unter­halb des Rip­pen­bo­gens ein­zu­füh­ren um von dort die Kame­ra ein­zu­füh­ren und even­tu­ell vor­han­den Ver­wach­sun­gen von Vor­ope­ra­tio­nen im Bereich des Nabels unter Sicht zu ent­fer­nen und dann die Ope­ra­tio­nen im gewohn­ten Ablauf durchzuführen.

Bei einer Bauch­spie­ge­lung wer­den zunächst alle Bau­ch­or­ga­ne dar­ge­stellt, dazu zäh­len auch das Zwerch­fell, die Leber, die Milz, der Magen, der Darm und der Blind­darm. Erst dann inspi­ziert man die weib­li­chen Orga­ne im klei­nen Becken. Wäh­rend einer Laparo­sko­pie kann die Foto­do­ku­men­ta­ti­on für gewöhn­lich erfol­gen, dass man Ihnen nach einer Ope­ra­ti­on die Befun­de und Ope­ra­ti­ons­schrit­te bei Bedarf demons­trie­ren kann.

Sehr sel­ten, meist nur in einer Not­fall­si­tua­ti­on, ist es not­wen­dig für eine Endo­me­trio­se­sa­nie­rung über einen Bauch­schnitt zu ope­rie­ren. Die­ser kann dann ent­we­der quer im Unter­bauch über ca. 10 cm oder längs vom Scham­bein bis zum Nabel erfol­gen, sehr sel­ten dar­über hinaus.

Wenn ein Teil des Dar­mes ent­fernt wer­den muss, wird in der Regel der betrof­fe­ne Teil her­aus­ge­schnit­ten und die gesun­den Enden direkt wie­der zusam­men­ge­näht (Ana­s­to­mo­se). Die meis­ten Darm­en­do­me­trio­sen lie­gen im Bereich des End­darms, wel­cher eine Reser­voir-Funk­ti­on hat, bis der Reiz zur Stuhl­ent­lee­rung auf­tritt. Die­ser Darm­be­reich muss daher gro­ße Volu­men­ver­än­de­run­gen tole­rie­ren kön­nen. Eine Naht bei Teil­re­sek­tio­nen im Bereich des End­darms ist daher extrem gro­ßen Belas­tun­gen durch wie­der­keh­ren­de Deh­nung der Darm­wand aus­ge­setzt. Daher kann es manch­mal not­wen­dig sein einen (vor­über­ge­hend) künst­li­chen Darm­aus­gang anzu­le­gen. Dabei wird ein Stück Dünn­darm an die Bauch­de­cke genäht, sodass der Stuhl­in­halt bereits weit ober­halb der Naht im End­darm abflie­ßen kann. So kann die Ana­s­to­mo­se ohne Deh­nungs­rei­ze in Ruhe hei­len und der künst­li­che Darm­aus­gang nach weni­gen Wochen zurück­ver­legt wer­den. Ein dau­er­haf­ter künst­li­cher Darm­aus­gang ist nur sehr sel­ten erforderlich.

Soll­ten in der Ope­ra­ti­on Endo­me­trio­se­her­de im Bereich außer­halb des klei­nen Beckens auf­tre­ten, wird Ihr Arzt oder Ihre Ärz­tin ggf. Ope­ra­teu­re aus ande­ren Fach­ab­tei­lun­gen zur Ope­ra­ti­on hin­zu­zie­hen, sodass eine Darm­be­tei­li­gung ggf. durch den All­ge­mein­chir­ur­gen oder eine Endo­me­trio­se des Harn­lei­ters ggf. durch den Uro­lo­gen ope­riert wird. Je nach Aus­bil­dung Ihres Gynäkologen/ Ihrer Gynä­ko­lo­gin kön­nen ein­fa­che­re Ein­grif­fe jedoch auch ohne die Hil­fe ande­rer Fach­ab­tei­lung durch­ge­führt werden.

Zie­le der Operation:

  1. Siche­rung der Dia­gno­se (durch his­to­lo­gi­sche Analyse)
  2. Fest­stel­lung der Endo­me­trio­se Ausbreitung
  3. Reduk­ti­on von Beschwer­den durch maxi­ma­le Endo­me­trio­se­sa­nie­rung, ggf. mit ver­blei­ben­den Befun­den je nach vor der Ope­ra­ti­on erfolg­ter Abspra­che (Ute­rus bei Ade­no­myo­sis ute­ri und nicht abge­schlos­se­ner Fami­li­en­pla­nung, leich­ter Darm­be­fall ohne Beschwer­den um eine Darm­ope­ra­ti­on zu vermeiden, …)

Nach der Operation

Nach der Ope­ra­ti­on ver­brin­gen Sie zunächst eini­ge Stun­den im Auf­wach­raum, dort wer­den Sie gefragt ob Sie Schmer­zen haben und erhal­ten dort, falls nötig, auch sofort zusätz­lich Schmerz­mit­tel. Aus dem Auf­wach­raum wer­den Sie im Nor­mal­fall auf die nor­ma­le Kran­ken­sta­ti­on ver­legt und dort wei­ter betreut. Je nach Ope­ra­ti­ons­zeit­punkt und abhän­gig vom rest­li­chen Ope­ra­ti­ons­pro­gramm des Tages wird Ihr Arzt oder Ihre Ärz­tin noch am OP Tag oder spä­tes­tens am Fol­ge­tag mit Ihnen über Ihre Befun­de und den Ver­lauf der Ope­ra­tio­nen spre­chen. Außer­dem wird Ihr Arzt oder Ihre Ärz­tin Ihnen nun indi­vi­dua­li­sier­te Emp­feh­lun­gen zum wei­te­ren Pro­ce­de­re geben können?

Check­lis­te Fra­gen an mei­nen Arzt:

● Habe ich über­haupt Endo­me­trio­se?
● Wie aus­ge­brei­tet war mei­ne Erkran­kung?
● Wel­che wei­te­ren Behand­lungs­mög­lich­kei­ten kom­men für mich in Fra­ge?
● Wel­che Vor- oder Nach­tei­le haben die­se?
● Emp­feh­len Sie mir wei­te­re Behand­lun­gen?
● Habe ich Anspruch auf einer Anschluss­heil­be­hand­lung (AHB)?
● Wann soll ich mich das nächs­te Mal bei Ihnen vorstellen?

Je nach Aus­maß der Ope­ra­ti­on wer­den Sie zwi­schen 1 bis 5 Näch­te nach der Ope­ra­ti­on im Kran­ken­haus ver­brin­gen. Der Bla­sen­ka­the­ter kann für gewöhn­lich nach dem ers­ten Auf­ste­hen ent­fernt wer­den, gele­gent­lich noch am Abend der Ope­ra­ti­on, meist am nächs­ten Mor­gen. Soll­te in Ihrer Ope­ra­ti­on eine Bla­sen­teil­re­sek­ti­on erfolgt sein, muss der Kathe­ter für gewöhn­lich 7 bis 10 Tage ver­blei­ben, damit die Bla­sen­wun­de unge­stört abhei­len kann.

Da im Rah­men der Ope­ra­ti­on gele­gent­lich auch die Ner­ven­ge­flech­te der Bla­se dar­ge­stellt wer­den, prü­fen wir ob sie nach der Ope­ra­ti­on gut Was­ser las­sen kön­nen. Hier kann es manch­mal zu Stö­run­gen kom­men, so dass hier ein beson­de­res Trai­ning erfor­der­lich wird. Es heißt dann Ruhe bewah­ren, die Ner­ven­ver­sor­gung ist meist nur irri­tiert und benö­tigt eini­ge Tage bis weni­ge Wochen Zeit zu rege­ne­rie­ren. Dafür legen wir meist erneut einen Bla­sen­ka­the­ter, gele­gent­lich unter­stüt­zen wir die­se Pha­se mit spe­zi­el­len Medikamenten.

Im Lau­fe des sta­tio­nä­ren Auf­ent­hal­tes soll­te sich der Sozi­al­dienst bei Ihnen vor­stel­len um mit Ihnen über Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­men oder eine Anschluss­heil­be­hand­lung zu spre­chen. Dabei gibt es bestimm­te Ein­rich­tun­gen, wel­che auf Endo­me­trio­se spe­zia­li­siert sind. Gern kön­nen Sie sich dar­über auf den
Inter­net­sei­ten der Deut­schen Endo­me­trio­se­ver­ei­ni­gung vor dem Gespräch informieren.

The­ra­pie­säu­le 3: Medi­ka­men­tö­se Therapie

Die Behand­lung mit Medi­ka­men­ten zielt in ers­ter Linie dar­auf ab, star­ke Schmer­zen oder Krämp­fe im Zusam­men­hang mit der Regel­blu­tung zu lin­dern oder zu besei­ti­gen. Dazu bie­ten sich Schmerz­mit­tel und hor­mo­nel­le Wirk­stof­fe an, die den Eisprung unter­drü­cken (Hor­mo­nel­le Down­re­gu­la­ti­on). Bei wie­der­keh­ren­den, aber nicht extrem belas­ten­den Unter­bauch­be­schwer­den kön­nen Schmerz­mit­tel oder Ges­ta­ge­ne in Form von Mono- oder Kom­bi­nier­ten Prä­pa­ra­ten eine spür­ba­re Lin­de­rung bewir­ken. Die­se Prä­pa­ra­te sind oft recht gut ver­träg­lich und eig­nen sich daher meist auch für jun­ge Frau­en mit Endo­me­trio­se. Wenn sie nicht genug Erleich­te­rung brin­gen, kom­men auch stär­ke­re Medi­ka­men­te infrage.

Schmerz­mit­tel

Zur Behand­lung von Regel­be­schwer­den, aber auch bei Endo­me­trio­se, wer­den häu­fig Schmerz­mit­tel aus der Grup­pe der soge­nann­ten nicht ste­ro­ida­len Anti­rheu­ma­ti­ka (NSAR) ein­ge­setzt. Die­se redu­zie­ren die Freit­zung von
Schmerz­bo­ten­stof­fen. Hier­zu gehö­ren zum Bei­spiel die Wirk­stof­fe Ibu­profen, Diclo­fe­nac und Par­acet­amol. Eini­ge die­ser Medi­ka­men­te sind frei ver­käuf­lich, ande­re vor allem in höhe­ren Dosie­run­gen ver­schrei­bungs­pflich­tig. Auch Nov­lagin, Met­ami­zol sind gut geeignet.

NSAR kön­nen star­ke Regel­schmer­zen wirk­sam lin­dern und sind meist gut ver­träg­lich, solan­ge der Schmerz ein aku­ter Schmerz ist. Anfangs zeigt die kli­ni­sche Erfah­rung, dass sie bei Regel­schmer­zen durch­aus effek­tiv hel­fen kön­nen. Es gibt aber wenig Stu­di­en, die die Wirk­sam­keit bei ande­ren durch Endo­me­trio­se ver­ur­sach­ten Schmer­zen unter­su­chen. Die­se Medi­ka­men­te kön­nen Neben­wir­kun­gen wie Magen­be­schwer­den, Übel­keit und Kopf­schmer­zen haben. Ohne ärzt­li­che Bera­tung dür­fen Schmerz­mit­tel daher nicht häu­fig oder über län­ge­re Zeit ein­ge­nom­men werden.

Mit der Zeit kön­nen die­se Medi­ka­men­te aber ihre Wir­kung ver­lie­ren, Frau­en müs­sen mehr und mehr Schmerz­mit­tel neh­men, hier kom­men dann Chro­ni­fi­zie­rungs­me­cha­nis­men zum Tra­gen oder einen Pro­gress der Endometrioseläsionen.

Regel­schmer­zen die nicht mit 1–2 Ibu­profen 600 mg gut behan­del­bar sind, so dass kei­ne Arbeits­un­fä­hig­keit und/Oder Bett­lä­ge­rig­keit besteht, soll­ten wei­ter abge­klärt werden.

Man­che Kol­le­gen emp­feh­len dann zur Behand­lung star­ker Schmer­zen auch soge­nann­te Opio­ide. Die­se Mit­tel ahmen die Wir­kung kör­per­ei­ge­ner schmerz­hem­men­der Stof­fe nach und beein­flus­sen die Schmerz­emp­fin­dung im Gehirn. Opio­ide dür­fen nur nach ärzt­li­cher Ver­ord­nung ein­ge­setzt wer­den. Vor allem bei den stär­ker wirk­sa­men Opio­iden besteht bei län­ge­rer Anwen­dung das Risi­ko einer Abhän­gig­keit. Als Neben­wir­kun­gen kön­nen zum Bei­spiel Übel­keit und Erbre­chen, Ver­stop­fung, Müdig­keit, Schwin­del und Blut­druck­schwan­kun­gen auf­tre­ten. Auch zur Wir­kung die­ser Schmerz­mit­tel bei Endo­me­trio­se lie­gen bis­lang kei­ne ver­läss­li­chen Daten vor und sind nicht indi­ziert ohne dass dies unter der Obacht sehr erfah­re­ner Endo­me­trio­se­spe­zia­lis­ten – und Schmerz­the­ra­peu­ten
genom­men wird.

Hor­mo­nel­le Behandlungen

Hor­mo­nel­le Wirk­stof­fe unter­drü­cken die kör­per­ei­ge­ne Hor­mon­pro­duk­ti­on in den Eier­stö­cken und damit auch den Eisprung und die Monats­blu­tung. Sie sind für Frau­en, die schwan­ger wer­den möch­ten, nicht geeignet.

Wir legen Wert dar­auf, dass sie die Abläu­fe im hor­mo­nel­len Zyklus ver­ste­hen, um den Effekt der kör­per­ei­ge­nen Hor­mon­bil­dung auf Endo­me­trio­se und auch den Effekt einer Hor­mon­the­ra­pie auf die Endo­me­trio­se ver­ste­hen. Wich­tig ist, dass sie sich so ihre eige­ne Mei­nung hin­sicht­lich Risiko/Nutzen Abwä­gung für sich per­sön­lich tref­fen
kön­nen. Uns geht es um ihre Lebens­qua­li­tät unter Berück­sich­ti­gung der Aspek­te einer unbe­han­del­ten Endometriose.

Ein der­zeit moder­ner Trend, gibt vor, dass Hor­mo­ne mehr Nach­tei­le erbrin­gen als Vor­tei­le und dies mag für Frau­en ohne hor­mon­ab­hän­gi­ge Erkran­kun­gen wie Endo­me­trio­se auch durch­aus sei­ne Berech­ti­gung haben. Im Fal­le einer
Endo­me­trio­se­be­hand­lung liegt aber eine medi­zi­ni­sche Indi­ka­ti­on vor.

Wir haben das Pro­blem, dass:

  1. Unbe­han­del­te Endo­me­trio­se­schmer­zen oft extrem stark sind, die kaum mit mul­ti­moda­len The­ra­pien beherrsch­bar sind und zudem, wenn die­se unef­fek­tiv behan­delt wer­den mehr und mehr zur Schmerz­chro­ni­fi­zie­rung füh­ren, die dann wie­der­um sekun­dä­re Ver­än­de­run­gen wie Becken­bo­den­dy­s­funk­ti­on und zuneh­men­de Schmer­zen auch im Becken­be­reich wie Schmer­zen beim Geschlechts­ver­kehr Was­ser­las­sen und Stuhl­gang bedingen
  2. Unter dem nor­ma­len Zyklus kann Endo­me­trio­se fort­schrei­ten, soll­ten Orga­ne noch nicht geschä­digt sein, kann dies im Ver­lauf von Jah­ren mit mög­li­cher­wei­se Schä­di­gung der Frucht­bar­keit einhergehen
  3. Auch nach ope­ra­tiv ent­fern­ter Endo­me­trio­se hat die­se Erkran­kung eine star­ke Rezi­div-Nei­gung (10%/Jahr bei Bauch­fell Her­den; 30% bei Zys­ten), auch die­se ist signi­fi­kant redu­ziert bei der Ein­lei­tung einer hor­mo­nel­len
    Dau­er­the­ra­pie, beson­ders wich­tig, wenn es Zys­ten gab und bereits am Eier­stock ope­riert wur­de. Drin­gend soll­te hier eine wei­te­re Organ­schä­di­gung durch das Auf­tre­ten erneu­ter Zys­ten ver­mie­den wer­den,
    bis der Kin­der­wunsch umge­setzt wer­den konn­te. Dies wird zu wenig beach­tet, auch nach bereits einer ein­zi­gen Ope­ra­ti­on am Eier­stock kann hier eine irrepa­ra­ble Schä­di­gung vor­lie­gen. Bzw. eine sich wei­ter ent­wi­ckeln­de Ade­no­myo­sis die Schwan­ger­schafts­chan­cen und auch die Schwan­ger­schafts­kom­pli­ka­tio­nen stark beeinflussen.

Aus unse­re Sicht sind dies lei­der schwer­wie­gen­den Grün­de die Endo­me­trio­se zu behandeln.

Dem gegen­über ste­hen aller­dings Nebenwirkungen

Vie­le Frau­en kla­gen vor allem bei dem bekann­ten Ges­ta­gen­mo­no­prä­pa­rat „Dieno­gest“ unter Schmier­blu­tun­gen. Die­se sind oft mit Schmer­zen asso­zi­iert. Das ist an sich kei­ne Neben­wir­kung, son­dern eine inef­fek­ti­ve Wir­kung, denn dann sind Ihre Eier­stö­cke stär­ker als das Ges­ta­gen. Sie las­sen sich sozu­sa­gen nicht „schla­fen“ legen, und die hor­mo­nel­le Down­re­gu­la­ti­on ist unzu­rei­chend, der Eier­stock aktiv, bil­det Fol­li­kel, die dann auch Östro­ge­ne bil­den, die Schleim­haut in der Gebär­mut­ter baut sich etwas auf und Schwupps sind Blu­tun­gen da. Das kann man erken­nen, indem man mit dem Ultra­schall nach Funk­ti­ons­zei­chen an den Eier­stö­cken und der Dicke der Schleim­haut in der Gebär­mut­ter schaut. In die­sem Fall macht eine Dosis­er­hö­hung (1–0‑1) Sinn, bzw. wenn die Blu­tung nach 7 Tagen nicht auf­hört auch eine Pau­se von 7 Tagen, damit die Schleim­haut abblu­ten kann. Dann fängt es wie­der an. Soll­te dies so sein, ist das ver­ständ­li­cher­wei­se nicht schön und auch nicht sinn­voll und so ja auch nicht medi­zi­nisch ange­dacht. Je län­ger man das also ver­sucht, des­to grö­ßer ist die Wahr­schein­lich­keit, dass die­se Blu­tun­gen auf­hö­ren. Ziel ist es schluss­end­lich blu­tungs­frei zu sein. Nur wenn man blu­tungs­frei ist, kann man die Wirk­sam­keit des Medi­ka­ments auf die Endo­me­trio­se überprüfen.

Kom­men wir nun zu den wirk­li­chen Neben­wir­kun­gen, das kön­nen Ges­ta­gen-beding­te Neben­wir­kun­gen sein, wir ken­nen das alle wie wir uns füh­len vor unse­ren Tagen, wenn auch das natür­li­che Ges­ta­gen im Kör­per über­wiegt: unrei­ne Haut, Stim­mungs­schwan­kun­gen bis hin zu Depres­sio­nen, Was­ser­ein­la­ge­run­gen, Brust­scher­zen, da müs­sen Sie eben­falls für sich abwä­gen, Sie soll­ten nicht zu vor­ei­lig das Medi­ka­ment abset­zen, meist gibt sich das bei vie­len Pati­en­tin­nen nach 3–4 Mona­ten. Wenn dann die Neben­wir­kun­gen gegen­über dem Nut­zen über­wie­gen kön­nen wir nach ande­ren Ges­ta­ge­nen schau­en, die bes­ser ver­träg­lich sind. In Deutsch­land ist nur das „Dieno­gest“ zuge­las­sen für die Behand­lung der Endo­me­trio­se, das heißt dies wird von der Kran­ken­kas­se bezahlt, ande­re nicht und sind dann als off-label use verfügbar.

Grund­sätz­lich kann man auch kom­bi­nier­te Prä­pa­ra­te wie die Pil­le neh­men, die dann Ethinyl­es­tra­di­ol und Dieno­gest (in der glei­chen Dosie­rung wie Dieno­gest mono) pro­bie­ren. Hier ist die Ver­träg­lich­keit zum Teil deut­lich bes­ser, dem­ge­gen­über steht aber der Östro­gen­an­teil in dem Prä­pa­rat, von dem wir auf Dau­er nicht recht wis­sen, ob es nicht auch einen Wachs­tums­ef­fekt auf Endo­me­trio­se­zel­len hat. Daher ist das die Ges­ta­gen­mo­no­the­ra­pie der­zeit als ers­te Wahl zu betrach­ten in der Ein­lei­tung der Hor­mon­the­ra­pie und in der zwei­ten Wahl dann ande­re Präparate.

Am wich­tigs­ten ist uns aller­dings Ihre Lebens­qua­li­tät. Wenn also Hor­mo­ne (sys­te­misch, d.h. als Tablet­te) nicht ver­tra­gen wer­den, ist es schwie­rig, aber auch hier gibt es Wege. Das muss dann indi­vi­du­ell geklärt wer­den. Wich­tig ist aber erst ein­mal, dass Sie das Prin­zip ver­ste­hen und so für sich Ihre Ein­stel­lung dazu fin­den können.

Dann kann man z.B. auch eine loka­le hor­mo­nel­le The­ra­pie mit einer Ges­ta­gen-hal­ti­gen Spi­ra­le (LNG-Spi­ra­le) über­le­gen. Die­se wird in die Gebär­mut­ter­ein­ge­legt. Sie gibt das Hor­mon lokal ab, es geht nur in ganz gerin­gem Maße in das Blut über (man kann es im Blut nach­wei­sen, die Kon­zen­tra­ti­on ist aber nicht hoch genug, um den Zyklus zu beein­flus­sen, d.h. der Zyklus bleibt bestehen). Vie­le Frau­en, die unter sys­te­mi­schen hor­mo­nel­len The­ra­pien vor allem unter Depres­sio­nen lei­den, kom­men mit der Spi­ra­le viel bes­ser zurecht. Aus­nah­men bestä­ti­gen die Regel, aber einen Ver­such ist es defi­ni­tiv wert!!!

Die Stu­di­en­la­ge zur Endo­me­trio­se ist begrenzt . Zuge­las­sen ist die LnG-hal­ti­ge Spi­ra­le aber für das Vor­lie­gen der Hyper­menor­rhoe (sehr star­ke Regel­blu­tung) und das haben vie­le Frau­en mit Ade­no­myo­sis ute­ri und daher kann dies auch dies­be­züg­lich eine sehr gute Bes­se­rung erbrin­gen. Der Effekt ist vor allem lokal, also sind auch Regel­schmer­zen oft deut­lich bes­ser, auf eine schwe­re Endo­me­trio­se im Bauch­raum hat die­se daher wenig bis eher kei­nen Effekt.

Die LNG-Spi­ra­le wird auch als Ver­hü­tungs­mit­tel ein­ge­setzt; aus die­ser Anwen­dung sind mög­li­che Neben­wir­kun­gen wie Zwi­schen­blu­tun­gen, Unter­bauch­be­schwer­den, Akne und Brust­span­nen bekannt. Dar­an sieht man, dass es in gerin­gem Maße ins Blut über­geht und beson­ders Hor­mon-sen­si­ble Frau­en auch reagie­ren kön­nen, aber wie gesagt, es ist einen Ver­such wert.

Sel­ten las­sen sich die Eier­stö­cke ein­fach nicht down regu­lie­ren, dann bleibt manch­mal bei star­ken Schmer­zen nur die Opti­on der zen­tra­len Down­re­gu­la­ti­on mit GnRh- Ana­lo­ga (künst­li­che Wech­sel­jah­re). Das hört sich auch schreck­lich an, ist aber lei­der nach wie vor in sol­chen Situa­tio­nen eine effek­ti­ve The­ra­pie. Das Medi­ka­ment an sich hat eigent­lich kei­ne Neben­wir­kun­gen, es ist ein Nach­bau des kör­per­ei­ge­nen Hor­mons. Durch die Gabe (Sprit­ze) erfolgt eine Dau­er­sti­mu­la­ti­on der Rezep­to­ren und dann kommt der Zyklus auf der Schalt­stel­le des Hypo­tha­la­mus zum
Erlie­gen, so dass dann wirk­lich kei­ne Sti­mu­la­ti­on vom Gehirn mehr erfol­gen kann. Die Neben­wir­kun­gen sind qua­si das was wir errei­chen wol­len, näm­lich eine Down­re­gu­la­ti­on der Eier­stö­cke, die nun kei­nen Mucks mehr machen. Der
Östro­gen­man­gel führt in dem Moment dann zu Hit­ze­wal­lun­gen, Schlaf- und Kon­zen­tra­ti­ons­stö­run­ge, alle das was uns in des Wech­sel­jah­ren erwar­ten kann aber nicht muss. So ist es auch bei jün­ge­ren Frau­en, nicht alle haben so extre­me Neben­wir­kun­gen, das kommt auch auf den Fett­spei­cher zB an, dort wer­den auch Östro­ge­nen gebil­det. Um die Neben­wir­kun­gen abzu­fan­gen gibt man daher in der Regel eine add back Ersatz­the­ra­pie dazu, das ist eine gering­fü­gi­ge Dosis von Östrogen/Progesteron, damit die Behand­lung gut erträg­lich ist. Tat­säch­lich gibt es
eini­ge Pati­en­tin­nen, die dar­un­ter eine deut­li­che Schmerz­lin­de­rung erlebt haben und nur damit die Schmer­zen beherr­schen konn­ten und bei denen sogar eine Dau­er­the­ra­pie mög­lich ist. Das Wich­tigs­te hier ist auch die Kno­chen­dich­te zu berück­sich­ti­gen. Ohne add back HRT dür­fen GnRha nicht län­ger als ins­ge­samt 12 Mona­te gege­ben wer­den. Daher fan­gen wir mit der add back The­ra­pie mög­li­che Aus­wir­kun­gen auf den Kno­chen ab.

Watch & Wait (Beob­ach­ten & Warten)

Nicht immer muss sofort eine hor­mo­nel­le oder ope­ra­ti­ve The­ra­pie ein­ge­lei­tet wer­den, wenn der Ver­dacht auf Endo­me­trio­se besteht oder wenn sie bereits his­to­lo­gisch gesi­chert ist. Ein abwar­ten­des Ver­hal­ten macht vor allem dann Sinn, wenn Sie einen aktu­el­len Kin­der­wunsch haben, aber noch nicht ver­sucht haben schwan­ger zu wer­den. Es stimmt zwar, dass Kin­der­lo­sig­keit bei Endo­me­trio­se ein wich­ti­ges The­ma ist. Trotz­dem wer­den knapp die Hälf­te der Endo­me­trio­se Pati­en­tin­nen spon­tan schwan­ger. Da durch eine Schwan­ger­schaft und auch in der sich anschlie­ßen­den Still­zeit meist kei­ne Peri­oden­blu­tung auf­tritt, sind die Beschwer­den durch eine Schwan­ger­schaft oft deut­lich gelin­dert. Es macht also durch­aus Sinn zu pro­bie­ren, ob es mit der spon­ta­nen Schwan­ger­schaft klappt. Soll­te nach einem Jahr trotz regel­mä­ßi­gem Geschlechts­ver­kehrs (min. 2 pro Woche) kei­ne Schwan­ger­schaft ein­ge­tre­ten sein, ist eine Vor­stel­lung in einem Kin­der­wun­sch­zen­trum zu emp­feh­len und auch über eine Endo­me­trio­se-OP soll­ten Sie dann mit Ihrer Ärz­tin oder Ihrem Arzt spre­chen. Auch wenn Sie trotz Endo­me­trio­se nur einen leich­ten Lei­dens­druck haben, muss nicht sofort gehan­delt wer­den. Es kann in die­sem Fall aus­rei­chen sei­nen Lebens­stil im Sin­ne des mul­ti­moda­len The­ra­pie­kon­zep­tes zu ver­än­dern. Soll­ten Sie und Ihre behan­deln­den Ärz­te sich für ein beob­ach­ten­des Kon­zept ent­schei­den, ist eine regel­mä­ßi­ge ärzt­li­che Kon­trol­le indiziert.

Straßenuhr welche 16:04 Uhr anzeigt, in einer schwarz-weiß Photographie.

Wie­der­vor­stel­lung

Je nach Befund und beschlos­se­ner The­ra­pie wird mit Ihnen ein Wie­der­vor­stel­lungs­ter­min ver­ein­bart. Da Endo­me­trio­se eine chro­ni­sche Erkran­kung ist, wird Sie sie bis zum Ein­tre­ten Ihrer Wech­sel­jah­re beglei­ten. Wie häu­fig Ihre Ärz­te Sie zu Ver­laufs­kon­trol­len ein­be­stel­len wer­den, ist abhän­gig von Ihrem Erkran­kungs­sta­di­um, der gewähl­ten The­ra­pie und Ihren Plä­nen und Vor­stel­lun­gen. Oft macht es Sinn sich bereits nach drei Mona­ten zur Kon­trol­le vor­zu­stel­len, wenn ein neu­es The­ra­pie­kon­zept fest­ge­legt wur­de. So kann her­aus­ge­fun­den wer­den, ob Ihnen die neue The­ra­pie hilft oder ob es zum Bei­spiel Anwen­dungs­pro­ble­me gibt. Auch nach einer erfolg­ten Ope­ra­ti­on und begon­ne­ner Anschluss­the­ra­pie ist eine kurz­fris­ti­ge Wie­der­vor­stel­lung zu emp­feh­len. Soll­ten Sie sich dage­gen für den Ver­such einer spon­ta­nen Schwan­ger­schaft ent­schie­den haben, ist viel­leicht auch erst dann eine Wie­der­vor­stel­lung nötig, wenn die­se nicht spon­tan eintritt.

Fra­gen Sie Ihre Ärz­tin oder Ihren Arzt also bei jedem Besuch genau, wann sie oder er Sie das nächs­te Mal sehen möch­te und ver­ein­ba­ren Sie am Bes­ten umge­hend einen Termin.

Leben und Alltag

Endo­me­trio­se ist eine Erkran­kung, die vie­le wich­ti­ge Lebens­be­rei­che betref­fen kann – vom Selbst­ge­fühl als Frau bis hin zu Part­ner­schaft, Fami­li­en- und Lebensplanung.

Um einen Weg zu fin­den, trotz der Beschwer­den eine mög­lichst gute Lebens­qua­li­tät zu erhal­ten, müs­sen eini­ge Ent­schei­dun­gen getrof­fen wer­den. Dabei hel­fen gute Infor­ma­tio­nen – über die Art der The­ra­pie wie über Mög­lich­kei­ten, das eige­ne Leben so zu orga­ni­sie­ren, dass die Beschwer­den den All­tag mög­lichst wenig belasten.

Wich­tig ist eine gute Betreu­ung und Beglei­tung durch eine Ärz­tin oder einen Arzt mit umfas­sen­den Erfah­run­gen in der Dia­gno­se und Behand­lung von Endo­me­trio­se. Ärzt­li­che Beglei­ter soll­ten sich auch mit den kör­per­li­chen wie psy­chi­schen Belas­tun­gen und sozia­len Aus­wir­kun­gen der Erkran­kung aus­ken­nen. Es kann hilf­reich sein, eine zwei­te Mei­nung her­an­zu­zie­hen, wenn schwie­ri­ge Ent­schei­dun­gen anste­hen, wie zum Bei­spiel für oder gegen eine Operation.

Um mit Endo­me­trio­se und ihren mög­li­chen Fol­gen umge­hen zu kön­nen, ist eine gute Unter­stüt­zung durch Fami­lie, Part­ner oder Freun­de wert­voll. Dies setzt vor­aus, dass auch Ange­hö­ri­ge über die Erkran­kung infor­miert sind und Ver­ständ­nis für die Belas­tun­gen auf­brin­gen, die sie mit sich bringt. Für man­che Frau­en bedeu­tet auch der Aus­tausch mit ande­ren Betrof­fe­nen in einer Selbst­hil­fe­grup­pe eine wich­ti­ge Unter­stüt­zung. Ande­re möch­ten ihre Pro­ble­me lie­ber für sich lösen. Ent­schei­dend ist, dass jede Frau ihren eige­nen Weg fin­det, mit der chro­ni­schen Erkran­kung
umzu­ge­hen.

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